Geschichte

Grundlage für George Taboris spätere Berühmtheit
Der Intendant der Bremer Bühnen, Peter Stolzenberg, holte den
Wiener George Tabori 1975 nach Bremen und gab ihm die Voraussetzungen
für sein Bremer Theaterlabor - die Raumbühne Concordia
und ein festes eigenes Ensemble von 10 Schauspielerinnen und Schauspielern.
Tabori erinnert sich gerne an die Bremer Jahre, auf wenn diese nur
bis zum nächsten Intendantenwechsel dauerte. Er hat auch hier seine Frau,
die Schauspielerin Uschi Höpfner kennen gelernt und geheiratet.
In seinem Theaterlabor, das für viele Beobachter und Kritiker
die Grundlage für Taboris spätere Berühmtheit bildete,
konnte der gebürtige Ungar, der seit 1945 die britische Staatsbürgerschaft
hatte, experimentieren und politisieren. "Talkshow" war
seine erste Bremer Inszenierung, für die er das Concordia mit
Matratzen auslegte, auf den sich Publikum und Schauspieler gemeinsam
setzten. Hatte Intendant Kurt Hübner eigentlich im Dauerstreit
mit "seinem" Kultursenator Moritz Thape gelegen, schien
sich das gespannte Verhältnis zwischen Bremer Theater und Bremer
Politik bei Tabori erneut einer Zerreißprobe zu nähern:
Für seine Inszenierung von Kafkas "Hungerkünstlern"
ließ der Regisseur seine Schauspielerinnen und Schauspieler
40 Tage in einem Selbstversuch hungern. Senator Franke drohte mit
Zwangsernährung der Künstler und wollte Tabori einsperren
lassen. Weitere Inszenierungen Taboris in Bremen waren "Siegmunds
Freude" und "Hamlet". Mit dem Intendanten Arno Wüstenhöfer,
der Stolzenberg 1978 folgte, endete die Ära Tabori und auch
das Theaterlabor. George Tabori wurde am 24. Mai 1914 in Budapest
als György Tabori geboren. Er starb am 23. Juli 2007.
Nachruf George Tabori,(3.20)
Von Margit Ekholt.
25. Juli 2007 | Nordwestradio
Ein Ort für sensationelle Inszenierungen
Für das Bremer Tanztheater war das Concordia immer so
etwas wie ein Zuhause. Hier konnte experimentiert werden und das Publikum
war nah dran am Tanz und an den Tänzerinnen und Tänzern.
Aber die Geschichte vom Concordia ist nicht nur mit Reinhild Hoffmann
und Susanne Linke, Urs Dietrich und Gerhard Bohner verbunden. Die
deutsche Uraufführung der Kammeroper "Der Leuchtturm"
von Peter Maxwell Davies, dem größten schottischen Komponisten
der Gegenwart, fand hier statt. Eines von vielen Beispielen. Schlagzeilen
machte natürlich auch das von George Tabori in den 1970er Jahren
in der Concordia eingerichtete "Theaterlabor", in dem die
beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler 40 Probentage in einem
Selbstversuch hungerten, eine Aktion die vor dem Hintergrund des RAF-Hungerstreiks
Schlagzeilen machte. Der wohl berühmteste Intendant des Theaters
in Bremen, Kurt Hübner, hatte das leer stehende Kino für
seine Vision von Theater umgebaut. Hübner, der immer der Zeit
voraus war, ist eines der größten Vorbilder des scheidenden
Intendanten, Klaus Pierwoß. In Zukunft, so scheint es, wird
dem Wort Unterhaltung am Theater Bremen deutlich mehr Gewicht gegeben
als Begriffen wie "Innovation" und "Progressivität",
die Hübner in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts ans
Bremer Theater geholt hatte, und die nun mit dem Abschied von Klaus
Pierwoß ebenfalls in den Ruhestand gehen.
..........................................................
Hier haben inszeniert und inszenieren:
|
|
|
|
| Rainer Werner Fassbinder Wilfried Minks Klaus Michael Grüber Hans-Georg Behr Charles Lang Günter Vierow Kurt Hübner Peer Raben George Tabori Patrick Schimanski Peter Brenner Reinhild Hoffmann Wolf Redl Nicolas Brieger Frank-Patrick Steckel
|
Peter Löscher Mauricio Kagel Torsten Fischer Johan Kresnik Carsten Werner Susanne Linke Karsten Schiffler Tilman Knabe Urs Dietrich Siegfried Bühr Rosamund Gilmore Michael Talke Andrej Woron Valentin Jeker
|
|
Hier wurde gespielt u. a.:
Nur eine Scheibe Brot von Rainer Werner Fassbinder
Liebster Vater von Stanly Walden
Do Re Mi Fa So La Ti Tod von Urs Dietrich
Die Legende vom armen Heinrich von Tankred Dorst
Ein Sportstück von Elfriede Jelinek
P(elleas) UND M(elisande) von Urs Dietrich
Fräulein Julie von Antonio Bibalo
Suzuki I+II von Alexej Schipenko
Versus von Urs Dietrich
Every.Body von Urs Dietrich
Dostojewskij Trip von Vladimir Sorokin
Der mündliche Verrat von Bruno Maderna
Ort.los von Urs Dietrich
Der Raub der Lukrezia von Benjamin Britten
Solaris von Michail Obst
Clip von Urs Dietrich
Der Kaiser von Atlantis von Viktor Ullmann
Brundibár von Hans Krása
Dunkel lockende Welt von Händel Klaus