MÜTTER
von Einar Schleef

Regie: Patrick Schimanski


Ensemble theaterlabor bremen

Sommerspielzeit 2010







Geschichte


Grundlage für George Taboris spätere Berühmtheit

Der Intendant der Bremer Bühnen, Peter Stolzenberg, holte den Wiener George Tabori 1975 nach Bremen und gab ihm die Voraussetzungen für sein Bremer Theaterlabor - die Raumbühne Concordia und ein festes eigenes Ensemble von 10 Schauspielerinnen und Schauspielern. Tabori erinnert sich gerne an die Bremer Jahre, auf wenn diese nur bis zum nächsten Intendantenwechsel dauerte. Er hat auch hier seine Frau, die Schauspielerin Uschi Höpfner kennen gelernt und geheiratet. In seinem Theaterlabor, das für viele Beobachter und Kritiker die Grundlage für Taboris spätere Berühmtheit bildete, konnte der gebürtige Ungar, der seit 1945 die britische Staatsbürgerschaft hatte, experimentieren und politisieren. "Talkshow" war seine erste Bremer Inszenierung, für die er das Concordia mit Matratzen auslegte, auf den sich Publikum und Schauspieler gemeinsam setzten. Hatte Intendant Kurt Hübner eigentlich im Dauerstreit mit "seinem" Kultursenator Moritz Thape gelegen, schien sich das gespannte Verhältnis zwischen Bremer Theater und Bremer Politik bei Tabori erneut einer Zerreißprobe zu nähern: Für seine Inszenierung von Kafkas "Hungerkünstlern" ließ der Regisseur seine Schauspielerinnen und Schauspieler 40 Tage in einem Selbstversuch hungern. Senator Franke drohte mit Zwangsernährung der Künstler und wollte Tabori einsperren lassen. Weitere Inszenierungen Taboris in Bremen waren "Siegmunds Freude" und "Hamlet". Mit dem Intendanten Arno Wüstenhöfer, der Stolzenberg 1978 folgte, endete die Ära Tabori und auch das Theaterlabor. George Tabori wurde am 24. Mai 1914 in Budapest als György Tabori geboren. Er starb am 23. Juli 2007.



Nachruf George Tabori,(3.20)
Von Margit Ekholt.

25. Juli 2007 | Nordwestradio



Ein Ort für sensationelle Inszenierungen

Für das Bremer Tanztheater war das Concordia immer so etwas wie ein Zuhause. Hier konnte experimentiert werden und das Publikum war nah dran am Tanz und an den Tänzerinnen und Tänzern. Aber die Geschichte vom Concordia ist nicht nur mit Reinhild Hoffmann und Susanne Linke, Urs Dietrich und Gerhard Bohner verbunden. Die deutsche Uraufführung der Kammeroper "Der Leuchtturm" von Peter Maxwell Davies, dem größten schottischen Komponisten der Gegenwart, fand hier statt. Eines von vielen Beispielen. Schlagzeilen machte natürlich auch das von George Tabori in den 1970er Jahren in der Concordia eingerichtete "Theaterlabor", in dem die beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler 40 Probentage in einem Selbstversuch hungerten, eine Aktion die vor dem Hintergrund des RAF-Hungerstreiks Schlagzeilen machte. Der wohl berühmteste Intendant des Theaters in Bremen, Kurt Hübner, hatte das leer stehende Kino für seine Vision von Theater umgebaut. Hübner, der immer der Zeit voraus war, ist eines der größten Vorbilder des scheidenden Intendanten, Klaus Pierwoß. In Zukunft, so scheint es, wird dem Wort Unterhaltung am Theater Bremen deutlich mehr Gewicht gegeben als Begriffen wie "Innovation" und "Progressivität", die Hübner in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts ans Bremer Theater geholt hatte, und die nun mit dem Abschied von Klaus Pierwoß ebenfalls in den Ruhestand gehen.


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Hier haben inszeniert und inszenieren:






Rainer Werner Fassbinder
Wilfried Minks
Klaus Michael Grüber
Hans-Georg Behr
Charles Lang
Günter Vierow
Kurt Hübner
Peer Raben
George Tabori
Patrick Schimanski
Peter Brenner
Reinhild Hoffmann
Wolf Redl
Nicolas Brieger
Frank-Patrick Steckel

Peter Löscher
Mauricio Kagel
Torsten Fischer
Johan Kresnik
Carsten Werner
Susanne Linke
Karsten Schiffler
Tilman Knabe
Urs Dietrich
Siegfried Bühr
Rosamund Gilmore
Michael Talke
Andrej Woron
Valentin Jeker


Hier wurde gespielt u. a.:

Nur eine Scheibe Brot von Rainer Werner Fassbinder
Liebster Vater von Stanly Walden
Do Re Mi Fa So La Ti Tod von Urs Dietrich
Die Legende vom armen Heinrich von Tankred Dorst
Ein Sportstück von Elfriede Jelinek
P(elleas) UND M(elisande) von Urs Dietrich
Fräulein Julie von Antonio Bibalo
Suzuki I+II von Alexej Schipenko
Versus von Urs Dietrich
Every.Body von
Urs Dietrich
Dostojewskij Trip von Vladimir Sorokin
Der mündliche Verrat von Bruno Maderna
Ort.los von
Urs Dietrich
Der Raub der Lukrezia von Benjamin Britten
Solaris von Michail Obst
Clip von
Urs Dietrich
Der Kaiser von Atlantis von Viktor Ullmann
Brundibár von Hans Krása
Dunkel lockende Welt von Händel Klaus